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Tote Täler

Größe: 827,00 ha   
Landkreis: Burgenlandkreis   
Codierung: NSG0128___   
Verordnung:  VO v. 14.03.1995 (Amtsbl. f. d. Reg.-Bez. Halle. - 4(1995)4 v. 28.03.1995) geändert mit Bekanntmachung v. 16.04.1998 (Amtsbl. f.d. Reg.Bez.Halle.-7(1998)5 v. 22.04.1998, S.51)   
Karte - © LVermGeo LSA Gen.-Nr.: 10008 (www.lvermgeo.sachsen-anhalt.de)

Schutzziel

Erhaltung wertvoller Trocken- und Halbtrockenrasen und verschiedener naturnaher Waldgesellschaften.

Lage

Das NSG liegt unmittelbar südlich von Freyburg im LSG "Unstrut- Triasland".
Zum NSG gehören die besonders steilen Hänge zum Hasseltal, und seine zahlreichen östlich einmündenden kurzen Trockentälchen, die nord- und ostexponierten Hänge zum Unstruttal sowie Teile des dazwischen liegenden Plateaus.

Geologische Beschaffenheit

Als Teil des Muschelkalk-Plateaus am Ostrand der Naumburger Muschelkalkmulde bilden Tongesteine den flachen Osthang zur Unstrut. Auf der Plateaufläche streichen jüngere Kalkgesteine der Wellenkalk-Folge aus.
Dem Muschelkalk sind isolierte kleine Vorkommen von tertiären Quarzkiesen aufgelagert und darüber Löss. Auf diesem haben sich Berglehm-Parabraunerden bis Fahlerden entwickelt.
Durch den Erosionseinschnitt des Hasseltales und seiner Nebentäler wird Unterer Muschelkalk freigelegt.
Auf dem Plateau des Rödel befand sich in der Vergangenheit ein militärischer Übungsplatz.

Vegetation

Auf den Plateaus und Schatthängen stockt buchenreicher Traubeneichen- Winterlinden-Hainbuchenwald (Galio sylvatici-Carpinetum betuli). Auf Hangkanten ist stellenweise ein straucharmer Orchideen-Buchenwald (Carici-Fagetum) mit Bleichem Waldvöglein (Cephalanthera damasonium) ausgebildet.
Oberhänge werden von einem subxerothermen Elsbeeren-Eichenwald eingenommen.
Der echte Elsbeeren- (Flaum-) Eichenwald (Quercetum pubescenti-petraeae) mit dem Vorkommen des seltenen Speierlings (Sorbus domestica) tritt an den Oberhangkanten der Trockentäler auf.
Kopfig geschnittene Trauben-Eichen (Quercus petraea) - sogenannte Lichter - sind als eine kulturhistorische Besonderheit zu werten.
Ein Teil der naturnahen Wälder wurde durch Nadel- und Nadelmischforste
ersetzt.  Als subkontinental verbreitete Art ist die seltene Steppen-Kirsche (Cerasus fruticosa) im Gebiet anzutreffen.
Schneeball-Hartriegel-Gebüsche (Viburno lantanae-Cornetum sanguinei) schließen sich teilweise an den Waldbestand an.

Hervorhebenswerte Saumgesellschaften des NSG sind xerothermer Blutstorchschnabel-Hirschwurz-Saum (Geranio sanguinei-Peucedanetum cervariae), Blutstorchschnabel-Waldklee-Saum (Geranio sanguinei- Trifolietum alpestris), mesophiler Odermennig-Saum (Trifolio medii-Agrimonietum eupatoriae) und Hainwachtelweizen-Saum (Trifolio medii-Melampyretum nemorosi).

In Abhängigkeit vom Standort treten weitere Vegetationsgesellschaften auf:

  • Fiederzwenken-Halbtrockenrasen (Festuco rupicolae-Brachypodietum pinnati) auf alten Schaftriften,
  • Traubengamander-Wimperperlgras-Magerrasen (Teucrio botryos- Melicetum ciliatae) im Bereich der Kalksteinbrüche,
  • graslilienreicher Faserschirm-Zwergseggen-Trockenrasen (Trinio- Caricetum humilis) auf steilen und skelettreichen Muschelkalkhängen und
  • Kalk-Eschenwald an Hangfüßen.

Zum Naturschutzgebiet gehören ebenfalls

  • alte, z. T. mäßig verbuschte Streuobstwiesen,
  • bachbegleitende Gehölze und Hochstaudengesellschaften,
  • mesophiles Wirtschaftsgrünland,
  • Kalkäcker,
  • Ackerbrachen sowie
  • Ruderalgesellschaften, die sich zum Fiederzwenken-Halbtrockenrasen entwickeln und
  • initiale Wasserpflanzengesellschaften dreier kleiner Teiche.

Die Toten Täler haben überregional bekannte Orchideenvorkommen mit

  • Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea),
  • Stattlichem Knabenkraut (Orchis mascula),
  • Helm-Knabenkraut (Orchis militaris),
  •  Blassem Knabenkraut (Orchis pallens),
  • Gemeiner Händelwurz (Gymnadenia conopsea),
  • Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera),
  • Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera),
  • Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphecodes),
  • Großem Zweiblatt (Listera ovata),
  • Braunroter Sitter (Epipactis atrorubens) und
  • Zweiblättriger und Grünlicher Waldhyazinthe (Platanthera bifolia, P. chlorantha).

Das NSG weist eine artenreiche Pilzflora auf. Als Beispiele seien genannt:

  • Lactarius flavidus,
  • Oudemannsiella badia und
  • Geastrum fimbriatum.

Fauna

Zu den vorkommenden Fledermausarten gehören Mausohr (Myotis myotis) und Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus).

Als Besonderheit des NSG ist die Plumpschrecke zu nennen.

Zustand des Gebietes und Erhaltungsmaßnahmen

Der Gebietszustand kann als gut bezeichnet werden. Das reichhaltige Orchideenvorkommen verleitet zum "0rchideentourismus". Modellhaft werden Plateaubereiche mit vorheriger millitärischer Nutzung seit dem Jahr 2000 mittels Konikbeweidung gepflegt, wodurch sich erhebliche Verbesserungen des Pflegezustandes eingestellt haben.
Die Umwandlung der Nadelholzforste und die Entbuschung der Halbtrockenrasen sind als weitere Gebietsentwicklung vorgesehen. Eine Erweiterung des NSG im Raum Städten ist geplant.
Das NSG ist als FFH-Gebiet "Tote Täler südwestlich Freyburg" von der EU bestätigt.

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