Porphyrlandschaft bei Gimritz

Größe: 290,00 ha   
Landkreis: Saalekreis   
Codierung: NSG0142___   
Verordnung:  RVO v. 12.08.1994 (Amtsbl. f. d. Reg.-Bez. Halle. - 3(1994)14 v. 18.08.1994) 
Karte - © LVermGeo LSA Gen.-Nr.: 10008 (www.lvermgeo.sachsen-anhalt.de)

Schutzziel

NSG "Porphyrlandschaft bei Gimritz"

Erhaltung eines repräsentativen Vegetationsmosaikes auf Porphyr; Schutz der bundesweit einmaligen Porphyrkuppenlandschaft; Erhaltung einer einzigartigen, zusammenhängenden Offenlandschaft. 

Lage

Das NSG (80-135 m ü. NN) umfasst einen Landschaftsausschnitt der Porphyrkuppenlandschaft, ca. 3 km südöstlich von Wettin im LSG "Saale".
In die Lösshochfläche haben kleine temporär oder dauerhaft wasserführende Bäche tiefe Erosionstälchen (Teichgrund, Lauchengrund, Scharrngrund, Pfaffenmagd) eingeschnitten, die teilweise bis unmittelbar zur Saale reichen. Das Gebiet wurde von der teils im Einschnitt geführten ehemaligen Bahnlinie Wallwitz - Wettin durchschnitten, deren Verlauf noch heute gut erkennbar ist.

Geologische Beschaffenheit

Der Ostteil des Gebietes ist der großkristalline Löbejüner Porphyr. Ein Nord-Süd streichender Streifen von Zwischensediment enthält neben Sedimenten der oberkarbonen Wettin-Schichten auch Quarzit-Kieselschiefer-Konglomerate sowie Tuffe und Schiefertone.
Den Westteil des NSG bedeckt der kleinkristalline Wettiner Porphyr. Diesem sind an Felskanzeln nördlich des Teichgrundes und am Saaleprallhang oberrotliegende Brachwitz-Schichten mit einem Konglomerat aus großkristallinem Porphyr aufgelagert.
Nordöstlich von Döblitz treten am Hang zwischen Haupt- und Niederterrasse Zechsteinkalke auf.
In einem Höhenniveau von 100 m ü. NN liegen parallel zum heutigen Saaleverlauf Reste der frühsaalekaltzeitlichen Mittel-Terrasse der Salza (Salzke).

Vegetation

Sandsilberscharte

Zum Vegetationsmossaik der Porphyrlandschaft gehören u.a. Silikat-Felsfluren (Thymo-Festucetum cinereae), Trockenrasen (Festuco valesiacae-Stipetum capillatae), Halbtrockenrasen (Festuco rupicolae-Brachypodietum pinnati), Zwergstrauchheiden (Euphorbio-Callunetum), Silikatspaltenvegetation, wärmeliebende Gebüsche, einige aufgelassene Streuobstwiesen.

Sie bieten zahlreichen vom Aussterben bedrohten, gefährdeten und seltenen Pflanzenarten Lebensraum. Herausragende Besonderheiten sind Brillenschötchen, Felsen-Fingerkraut, Schmalblütiges Träubel, Sand-Silberscharte oder auch Katzenpfötchen.
Sandtrockenrasen, in denen u.a. Klebrige Miere (Minuartia viscosa) und Fünfmänniger Spergel (Spergula pentandra) vorkommen, siedeln im östlichen Teil auf Flächen zur Stromsaale hin.
Zum NSG gehören weiterhin bachbegleitende Vegetationseinheiten in den Tälchen, einige von Hasel dominierte niederwaldartige Waldbestände auf historisch alten Waldstandorten sowie recht umfangreiche sekundäre Robinienwälder auf ehemaligen Magerrasenstandorten sowie sowohl intensiv als auch extensiv genutzt Ackerflächen, zum Teil in Auflassung.

In Forschungsprojekten wurden die floristische und faunistische Ausstattung sowie Fragen der Isolation, der Flächengröße und der Biotopqualität dieses Trockenrasenschutzgebietes untersucht. Durch ein von 1992 bis 1996 in diesem Gebiet durchgeführtes Forschungsgroßprojekt zu Fragen der Isolation, der Flächengröße und der Biotopqualität ist das NSG das am besten untersuchte Trockenrasenschutzgebiet Sachsen-Anhalts.

Fauna

Pirol

Das NSG weist eine artenreiche Avifauna auf, dazu zählen beispielsweise folgende Brutvogelarten: Rotmilan (Milvus milvus), Rebhuhn (Perdix perdix), Wendehals (Jynx torquilla), Neuntöter (Lanius collurio), Sperbergrasmücke (Sylvia nisoria) und Beutelmeise (Remiz pendulinus).

Bemerkenswert sind die Vorkommen wärmeliebender Arten wie Nachtigall (Luscinia megarhynchos), Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe) und Pirol (Oriolus oriolus).

Bisher sind zahlreiche Insekten der Roten Listen Sachsen-Anhalts nachgewiesen worden. Zu den vom Aussterben bedrohten Arten gehören Bienen Andrena potentillae und Halictus smaragdulus, Ameisen Ponera coarctata und Polyergus rufescens, Laufkäfer Cymindis axillaris, C. angularis, Masoreus wetterhallii und Licinus cassideus, Röhrenspinne Eresus cinnebarinus, Weberknecht Nemastoma dentigerum, Großschmetterling Acanthopsyche atra.

Zustand des Gebietes und Erhaltungsmaßnahmen

Der Zustand des Gebietes ist differenziert zu betrachten. Durch unzureichende Schafhutung und aufkommende Verbuschung sind Teile der Magerrasenflächen gefährdet. Zu stoppen ist die Ausbreitung der Robinien sowie der Landreitgrasfluren. Ein weiterer Flurholzanbau sollte ganz unterbleiben.
Das NSG liegt im FFH-Gebiet "Porphyrkuppenlandschaft nordwestlich Halle".

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