Brandberge

Größe: 92,00 ha   
Stadtkreis: Halle   
Codierung: NSG0155___   
Verordnung:  VO v. 12.06.1996 (Amtsbl. f. d. Reg.-Bez. Halle. - 5(1996)9 v. 19.06.1996)
Karte - © LVermGeo LSA Gen.-Nr.: 10008 (www.lvermgeo.sachsen-anhalt.de)

Schutzziel

NSG "Brandberge"

Erhaltung eines Mosaiks aus trockenen bis feuchten Biotoptypen, Verzahnungs- und Übergangsbereichen sowie Habitatinseln; Erhalt als wichtiges Element im Biotopverbund. 

Lage

Das NSG (80 - 116 m ü. NN) liegt im Nordwesten der Stadt Halle zwischen den Stadtteilen Kröllwitz und Heide-Nord/Lettin im LSG0034 "Saale". Neben der Porphyrkuppe im Südteil schließt es nördlich davon gelegene feuchte Offenland-Gebüsch-Komplexe, Ackerflächen und Ruderalfluren ein. Teile des Gebietes wurden jahrzehntelang bis in die 2000er Jahre als Truppenübungsplatz genutzt.

Geologische Beschaffenheit

Das NSG umfaßt sowohl einen stark reliefierten Porphyrkuppenkomplex als auch benachbarte flache Bereiche zur Saale hin.
Im Zentralbereich der Porphyrkuppen sind Reste der alttertiären Kaolinrinde und tertiärer Sedimente vorhanden. Zwischen Hechtgraben und Saale bilden Kiesablagerungen einen trockenen Untergrund, dem teilweise bindige Deckschichten aufgelagert sind.

Vegetation

Vorwiegend am Südhang der Porphyrkuppen siedeln Felsfluren (Thymo-Festucetum cinereae), Halbtrockenrasen (Filipendulo vulgaris-Avenuletum pratensis) und Zwergstrauchheiden (Euphorbio-Callunetum). Zur Flora gehören hier u.a. Echter Schafschwingel (Festuca ovina ), Gemeine Kuhschelle (Pulsatilla vulgaris), Astlose Graslilie (Anthericum liliago) und Mittleres Vermeinkraut (Thesium linophyllon).
Zunehmend werden die Magerrasen von Robinien (Robinia pseudoacacia) und Brombeeren (Rubus fructicosus) durchsetzt.
Wärmeliebende Gebüsche (Ligustro-Prunetum spinosae) in den Runsen ergänzen den Bewuchs dieser Areale.
Ein Bestand aus Wald-Kiefern (Pinus sylvestris), Hänge-Birken (Betula pendula), Stein-Weichsel (Prunus mahaleb), Eingriffligem Weißdorn (Crataegus monogyna) und Robinie (Robinia pseudacacia) bildet einen annähernd geschlossenen Vorwald am Nordhang.
Bereiche ehemaliger Fahrwege von Militärfahrzeugen sind teilweise stark verdichtet. Zahlreiche temporäre Flachgewässer sind entstanden. In diesem Bereich treten eng verzahnt Röhrichte, Naßwiesen und Weidengebüschgesellschaften auf, mit Blutrotem Hartriegel (Cornus sanguinea), Hundsrose (Rosa canina), Stiel-Eiche (Quercus robur), Weißdornarten und Hänge-Birke (Betula pendula).
Land-Reitgras (Calamagrostis epigejos) und Brombeeren (Rubus fructicosus) verweisen auf Eutrophierungseinflüsse und massive Brachetendenzen.
Ein Schwarzerlenbruch am Brandberggraben, Torfmoos-Bewuchs auf einem anmoorigen Standort, mesophiles Grünland sowie Sekundärgehölze im Westteil gehören ebenfalls zum NSG.

Fauna

Das Gebiet weist eine außerordentlich vielfältige Fauna auf. In Untersuchungen wurden u.a. nachgewiesen:
•164 Schmetterlingsarten,
•111 Käferarten (Rüssel-, Lauf- und Marienkäfer),
•66 Vogelarten,
•56 Zikadenarten,
•28 Molluskenarten,
•20 Libellenarten,
•19 Heuschreckenarten sowie
•jeweils 14 Vertreter der Herpetofauna und der Säugetiere.

Auszugsweise sollen die in den Roten Listen Sachsen-Anhalts als stark gefährdet eingestuften Arten aufgeführt werden: Feldhase (Lepus europaeus), Kreuzkröte (Bufo calimata), Wasserspinne (Argyroneta aquatica), Kleine Pechlibelle (Ischnura pumilio), Kleine Binsenjungfer (Lestes virens), Langflüglige Dornschrecke, der Laufkäfer Harpalus modestus, die Schmetterlinge Luperina nickerlii, Lythria purpuraria und Plebejus argus und die Vögel Bekassine (Gallinago gallinago), Wasserralle (Rallus aquaticus), Schwarzkehlchen (Saxicola torquata) und
Raubwürger (Lanius excubitor).

Zustand des Gebietes und Erhaltungsmaßnahmen

Der Zustand des Gebietes ist aufgrund umfangreicher Pflegebemühungen überwiegend gut. Seit etwa 2010, auf dem Brandberg selbst schon seit den 1990er Jahren, wird den starken Verwaldungstendenzen entgegengewirkt. Neben großflächigen Entbuschungsmaßnahmen ist auf die Wiedereinführung extensiver Schafbeweidung wie auch auf Bemühungen zur Rinderbeweidung im Nordteil des ehemaligen Fahrübungsbereichs hinzuweisen. Dennoch sind durch den Wegfall der militärischen Aktivitäten und die dynamische Sukzession Verluste insbesondere der an Pionierstandorte gebundenen wertgebenden Arten von Flora und Fauna eingetreten.
Die im Gebiet liegenden Äcker sollen extensiv bewirtschaftet werden. Das NSG ist als FFH-Gebiet (FFH0179) "Brandberge in Halle" durch die EU bestätigt

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