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Wie Sachsen-Anhalt mit innovativen Strategien den Kampf gegen das Artensterben führt

Einblicke in den Schutz von Kreuzotter, Flussseeschwalbe und naturnahen Wäldern

Sachsen-Anhalt steht vor einer zentralen Herausforderung: Von den rund 23.000 nachgewiesenen Arten in Sachsen‑Anhalt gelten mehr als ein Drittel aller heimischen Tier-, Pflanzen-, Algen- und Pilzarten als gefährdet.

Besonders dramatisch ist die Situation bei der Kreuzotter. Die in unserem Bundesland vom Aussterben bedrohte Schlangenart benötigt dringend koordinierte Schutzmaßnahmen, um ihre isolierten Restvorkommen im Land zu sichern. Im Rahmen eines digitalen Forums zum Thema „Zukunft des Naturschutzes“, welches seit 2021 regelmäßig stattfindet, macht das Landesverwaltungsamt deutlich, wie dringend es ist, neue Schutzstrategien zu entwickeln und umzusetzen.

Mit einer Zuchtstation für Kreuzottern in der Franzigmark bei Halle, die mit einer Förderung von rund 750.000 Euro bis 2029 gesichert ist, konnte bereits ein erster Erfolg verbucht werden: Die Bestände wachsen, und 12 adulte Tiere sowie 12 Jungtiere sind heute ein Teil des Wiederansiedlungsprojekts. Ziel ist es, bis zu 20 Zuchtpaare und jährlich mindestens 50 Nachzuchten zu erreichen. „Dieses Projekt zeiget, wie wichtig koordiniertes Handeln in der Artenschutzarbeit ist“, sagt Torsten Pietsch, Naturschutz-Referent im Landesverwaltungsamt.

Doch nicht nur die Kreuzotter benötigt Hilfe. Auch die Flussseeschwalbe als streng geschützte Art, ist besonders durch den Verlust von Lebensräumen und ihrer Nahrungsgrundlage stark bedroht. Dank des im Jahr 2024 ins Leben gerufenen Artenhilfsprojektes - Förderung für die seltene Flussseeschwalbe der Unteren Naturschutzbehörde konnten im Jerichower Land wichtige Bruthabitate gesichert werden. Die vom Land Sachsen-Anhalt bereit gestellten Ersatzzahlungsleistungen in Höhe von rund 10.000 Euro wurden zur Schaffung von 6 künstlich angelegten Brutinseln in den Natura2000 Gebieten der Lostauer Alten Elbe und in Klietznick genutzt. Wie erfolgreich das Projekt ist, belegen die aktuellen Zahlen mit je 4 Brutpaaren pro Inseln. 

Strategischer Waldkauf als ein Instrument zum Erfolg:
„Artenschutz funktioniert jedoch nicht ohne intakte, widerstandsfähige Wälder“, betont Pietsch. Gerade die Wälder von Sachsen-Anhalt stehen unter starkem Druck, und die Sicherung naturnaher Waldbestände wird zunehmend zu einer der wichtigsten Maßnahmen im Naturschutz. Kommunen und Umweltverbände erwerben Wald, um ihn langfristig zu schützen, seine natürliche Entwicklung zu fördern oder gezielte Pflegemaßnahmen umzusetzen. So soll langfristig eine natürliche Waldentwicklung im Landes gesichert werden.

Doch auch hier stellt sich die Frage: Wie sollen Wälder in Zukunft bewirtschaftet und geschützt werden? Vom vollständigen Nutzungsverzicht bis zur aktiven Pflege reichen die Konzepte, und sie bringen jeweils eigene Herausforderungen mit sich. Diese komplexen Fragen werden immer mehr zu einem zentralen Zukunftsthema im Naturschutz.

Digitale Tools und neue Standards für eine effiziente Verwaltung:
Neben den praktischen Schutzmaßnahmen sorgt das Landesverwaltungsamt auch für eine Modernisierung der Verwaltungsprozesse. So wurde in diesem Jahr die Vollzugshilfe zur Natura-2000-Landesverordnung überarbeitet und vereinfacht. Diese neue, benutzerfreundliche Anleitung soll den beteiligten Behörden und Fachakteuren mehr Klarheit und Effizienz bei der Umsetzung der europaweit bedeutenden Naturschutzvorgaben bringen.

Fachgesellschaft für Feldherpetologie Sachsen-Anhalt e.V. setzt Impulse:
Ein besonderes Highlight der Veranstaltung war die Vorstellung der Fachgesellschaft für Feldherpetologie Sachsen-Anhalt e.V., die sich als zentrale Institution für den Schutz von Lurchen und Kriechttieren etabliert hat. In einem Beitrag zur Lage der Kreuzotter und den bisherigen Erhaltungsmaßnahmen unterstrich der BUND Sachsen-Anhalt e.V., wie wichtig der Fokus auf diese Tiere für den langfristigen Artenschutz ist.

Fazit:
Der Austausch, neue Schutzstrategien und innovative Verwaltungsansätze zeichnen ein deutliches Bild: In Sachsen-Anhalt wird der Naturschutz aktiv und zukunftsorientiert gestaltet. Der Erfolg des Projektes zur Kreuzotter, der Schutz der Flussseeschwalbe und der nachhaltige Waldkauf sind wichtige Bausteine auf dem Weg, Sachsen-Anhalt im Arten- und Naturschutz weiter voranzubringen.

Teilnehmer der heutigen Veranstaltung:

  1. Fachgesellschaft für Feldherpetologie Sachsen-Anhalt e.V.
  2. BUND Sachsen-Anhalt e.V.
  3. Landesamt für Umweltschutz
  4. Ämter für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF)
  5. Vertreter der unteren Naturschutzbehörden
  6. Landesverwaltungsamt