Schlauch Burgkemnitz

Größe: 67,00 ha   
Landkreis: Anhalt-Bitterfeld  
Codierung: NSG0163___   
Verordnung:  VO v. 13.12.1995 (Amtsbl. f. d. Reg.-Bez. Dessau. - 4(1996)1 v. 01.01.1996)   
Karte - © LVermGeo LSA Gen.-Nr.: 10008 (www.lvermgeo.sachsen-anhalt.de)

Schutzziel

NSG "Schlauch Burgkemnitz"

Schutz und Erhaltung eines Komplexes von Feuchtgebieten, wechselfeuchten Freiflächen und Sandmagerrasen; Sicherung der natürlichen Entwicklung von Tagebaufolgeflächen. 

 

 

Lage

Das NSG (um 85 m ü. NN) liegt ca. 6 km nordöstlich von Bitterfeld zwischen Muldenstein und Burgkemnitz.

Beschreibung des Geländes

Das NSG gehört zu einer renaturierten Tagebaufolgelandschaft nördlich des Muldestausees. Es schließt u. a. die Tagebaurestgewässer "Roter See" im Nordosten,  das Südufer des "Blauen Sees" im Norden sowie den "Schlauch", einen 10 - 12 m tiefen Geländeeinschnitt zwischen zwei Kippen aus Geschiebemergel, im Westen ein.

Der künstlich angelegte, bogenförmige "Blaue See" weist einen mesotrophen Charakter auf. Der Seeboden ist nur gering verschlammt.
Seit 1963 unterliegt das NSG der natürlichen Entwicklung.

Vegetation

Die Hanglagen des NSG werden hauptsächlich von Forsten eingenommen, deren Bestandsbildner Kiefern (Pinus sylvestris) bzw. Hänge-Birke (Betula pendula) sind. Die Gebüschpflanzungen bestehen zum größten Teil aus fremdländischen Gehölzen mit hohem Anteil des Faulbaums (Frangula alnus).


"Blauer See"

Im Uferbereich sind folgende Gesellschaften entwickelt:
•größere, flutende Bestände der Zwiebel-Binse (Juncus bulbosus) in Flachwasserbereichen,
•Schilf-Röhricht (Phragmitetum australis) in flachen Verlandungszonen sowie
•ein von Flatter-Binse (Juncus effusus) dominierter Ufersaum an steileren Uferpartien.


Oberhalb der Uferbereiche haben sich auf vegetationsfreien Sandflächen Sandsegge (Caricetum arenariae) und Silbergras-Fluren (Spergulo morisonii-Corynephoretum canescentis) angesiedelt.
 Frühe Sukzessionsstadien sind gekennzeichnet durch die Arten
•Sand-Strohblume (Helichrysum arenarium),
•Feld-Beifuß (Artemisia campestris),
•Silbergras (Corynephorus canescens),
•Gewöhnliche Nachtkerze (Oenothera biennis),
•Dach-Trespe (Bromus tectorum),
•Platthalm-Rispengras (Poa compressa),
•Land-Reitgras (Calamagrostis epigejos) u. a.

Auf Magerrasen kommen bespielsweise
•Echter Schafschwingel (Festuca ovina),
•Gewöhnliches Ferkelkraut (Hypochoeris radicata),
•Grasnelke (Armeria maritima),
•Feld-Beifuß (Artemisia campestris),
•Kriechender Hauhechel (Ononis repens) und
•Schmalblättriger Wegerich (Plantago lanceolata) vor.

Als Ruderalarten sind z. B.
•Hasen-Klee (Trifolium arvense),
•Feld-Klee (Trifolium campestre) und
•Platthalm-Rispengras (Poa compressa) anzutreffen.

Die Kiefernforst-Lichtungen werden bestimmt vom Rot-Straußgras (Agrostis capillaris).

An Gebüschrändern und Anpflanzungen entwickeln sich Säume aus:
•Zickzack-Klee (Trifolium medium),
•Bunter Kronwicke (Coronilla varia),
•Nickender Distel (Carduus nutans),
•Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare),
•Purgier-Lein (Linum cartharticum) u. a.


"Schlauch"

Dieser Teil ist ein von Gräben durchzogenes Versumpfungsgebiet mit einigen offenen Wasserflächen. Große Flächen nehmen
•Rohrkolben-Röhricht,
•Schilf-Röhricht und
•Bestände der Gewöhnlichen Teichsimse (Schoeneplectus lacustris) ein.

An den Grabenrändern sind zu finden:
•Scheinzyper-Segge (Carex pseudocyperus),
•Flatter-Binse (Juncus effusus),
•Spitzblättriges Laichkraut (Potamogeton acutifolius),
•Gewöhnlicher Wasserschlauch (Utricularia vulgaris),
•Sumpf-Schachtelhalm (Equisetum palustre) und
•Schmalblättriges Wollgras (Eriophorum angustifolium).

Schwimmblatt-Gesellschaften (Polygono-Potamogetonetum natantis) setzen sich aus Wasser-Knöterich (Polygonum amphibium) und Schwimmendem Laichkraut (Potamogeton natans) zusammen .


"Graben im Südteil"

In diesem Teil des NSG kommen vor:
•Sumpf-Schachtelhalm (Equisetum palustre),
•Spitzblütige Binse (Juncus acutiflorus),
•Kalmus (Acorus calamus),
•Schmalblättriger Rohrkolben (Typha angustifolia),
•Gewöhnliche Sumpfsimse (Eleocharis palustris) und
•Moor-Labkraut (Galium uliginosum).

Fauna

Im NSG haben zahlreiche Brutvogelarten ihren Lebensraum, z. B.
•Zwergtaucher (Podiceps ruficollis),
•Große Rohrdommel (Botaurus stellaris),
•Wasserralle (Rallus aquaticus),
•Rohrweihe (Circus aeruginosus),
•Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus),
•Braunkehlchen (Saxicola rubetra) und
•Feldschwirl (Locustella naevia).

Auch für Arten der Herpetofauna finden sich geeignete Lebensbedingungen im Gebiet. Während die Ringelnatter (Natrix natrix) die Feuchtgebiete bevorzugt, besiedeln Zauneidechse (Lacerta agilis) und Schlingnatter (Coronella austriaca) die trockeneren Heiderandlagen.
 Weiterhin sind anzutreffen:
•Kreuzkröte (Bufo calamita),
•Wechselkröte (Bufo viridis),
•Erdkröte (Bufo bufo) und
•Knoblauchkröte (Pelobates fuscus) sowie
•Teich- und Moorfrosch (Rana esculenta, R. arvalis).

Zustand des Gebietes und Erhaltungsmaßnahmen

Der Zustand des NSG ist gut.
Zur Erhaltung von Freiflächen sind Pflegemaßnahmen, wie lokale Auslichtung des sukzessionsbedingten Baumaufwuchses sowie der Kiefernaufforstungen im Südteil, durchzuführen. Das NSG wurde als FFH-Gebiet vorgeschlagen.

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