Saale-Elster-Aue bei Halle

Größe: 915,00 ha   
Landkreis: Saalekreis   
Stadtkreis: Halle   
Codierung: NSG0173___   
Verordnung:  VO v. 11.02.1998 (Amtsbl. f. d. Reg.-Bez. Halle. - 7(1998)2 v. 18.02.1998); VO zur Festsetzung einer Horstschutzzone v. 25.06.2003 (Amtsbl. f. d. Reg.-Bez. Halle. - 8(2003)12 v. 24.07.0203)   
Karte - © LVermGeo LSA Gen.-Nr.: 10008 (www.lvermgeo.sachsen-anhalt.de)

Schutzziel

Ansicht NSG "Saale-Elster-Aue bei Halle"

Erhaltung einer Auenlandschaft mit naturnahen Waldgesellschaften und Sicherung des Lebensraumes für zahlreiche gefährdete Pflanzen- und Tierarten; wichtiges Element eines Biotopverbundes zu den sich anschließenden Naturschutzgebieten 

Lage

Das NSG (80-83 m ü. NN) liegt in der Saale-Elster-Aue südlich von Halle im LSG "Saale".
Es besteht aus zwei Teilflächen, die sich östlich (902,5 ha) und westlich (12,5 ha) der B 91 befinden.

Beschreibung des Geländes

Im Bereich des Collenbeyer Holzes wird der geologische Untergrund von Niederterrassenschottern mit einer darüber lagernden Auenlehmschicht gebildet. Der vorherrschende Bodentyp ist Braune Vega.
Die Aue unterliegt weitgehend der natürlichen Wasserstandsdynamik der Hauptflüsse. Allerdings ist die Weiße Elster aufgrund der Abriegelung der parallel verlaufenden Luppe in Kleinliebenau einem über dem natürlichen Durchschnitt liegendem Zufluss und einer erhöhten Hochwasserbeeinflussung unterworfen. Fast alle Flächen sind hoch- bzw. qualmwasser beeinflusst.

Vegetation

Schilfröhrichtfläche

Naturnahe Hartholzauenwälder (Querco-Ulmetum minoris), die als geophytenreiche Eichen-Ulmen-Eschen-Mischwälder auftreten, sind nur noch in kleinflächigen Resten vorhanden. Auch die Silberweiden-Schwarzpappel- Weichholzaue (Salicetum albae) nimmt nur noch an der Weißen Elster größere Flächen ein.
Weiterhin kommen vor: feuchte Hochstaudenflure, Brenndolden-Auenwiesen und magere Flachlandmähwiesen.

Große Schilfröhrrichtflächen befinden sich zwischen der Ortslage Döllnitz und der Weißen Elster, wo u. a. die Sumpf-Wolfsmilch (Euphorbia palustris) siedelt. An dieser Stelle befindet sich ein für herzynische Auen typisches, aber selten gewordenes Großseggenried mit unterschiedlichen Zonierungen.
Auf extensiv bewirtschafteten Mähwiesen kommen u.a. vor: Großer Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis), Färber-Scharte (Serratula tinctoria), Kantiger Lauch (Allium angulosum) und Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica).

Inzwischen nach jahrzehntelanger Verödung  wieder relativ artenreich ist die Gewässervegetation, sowohl der Fließgewässer als auch der Altarme und weiterer  -teils auch temporärer- Stillgewässer. Zu erwähnen sind verschiedene Arten Laichkraut neben weiter verbreiteten Arten. Entlang der Gewässer  sowie in temporär  überstauten Senken  sind Flutrasen, Hochstaudenfluren und Annuellenfluren schlammiger Standorte charakteristisch für das Gebiet. Eine Besonderheit ist der Schlamm-Ehrenpreis (Veronica  anagalloides). Auch einige teils extensiv bewirtschaftete Auenäcker sowie Offen- und Gehölzvegetation entlang der Bahndämme und Deiche im Gebiet ergänzen die Vegetationsaustattung.

Fauna

Schwarzstorch

Die Saale-Elster-Aue bei Halle ist für eine Vielzahl bedrohter Tierarten von überregionaler Bedeutung. Beispielsweise gehört das NSG zum Verbreitungsgebiet des Rotmilans (Milvus milvus) in Mitteleuropa.
Eine überdurchschnittliche Brutdichte erreicht auch der Schwarzmilan (Milvus migrans).
Im Collenbeyer Holz befindet sich die größte Kolonie mit Graureihern (Ardea cinerea) in Sachsen- Anhalt.

Im NSG kommen sehr viele Brutvögel vor.
In den Auwäldern: Mittelspecht (Dendrocopos medius), Schwarzspecht (Dryocopus martius) und Nachtigall (Luscinia megarhynchos).

Im Offenland: Braunkehlchen (Saxicola rubetra), Kiebitz (Vanellus vanellus), Bekassine (Gallinago gallinago), Wachtelkönig (Crex crex) und Schafstelze (Motacilla flava).
Weißstörche (Ciconia ciconia) suchen ihre Nahrung in diesem Bereich.

In Feuchtgebieten: Große Rohrdommel (Botaurus stellaris), Rohrammer (Emberiza schoeniclus), Rohrweihe (Circus aeruginosus), Rohrsänger und verschiedene Rallenarten.

An den Fließgewässern tritt der Eisvogel (Alcedo atthis) regelmäßig als Brutgast auf.

Für eine große Anzahl gefährdeter Vogelarten ist das Gebiet Rast- und Schlafplatz. Dazu gehören: Schwarzstorch (Ciconia nigra), Möwen, Enten, Taucher und Limikolen.

Die Säugetiere des Gebietes sind: Zwergmaus (Micromys minutus), Feldhase (Lepus europaeus), Marderartige, verschiedene Fledermausarten und Insektenfresser, die Feuchtgrünland bevorzugen.

Die schützenswerte Herpetofauna ist u.a. vertreten durch: Kammolch (Triturus cristatus), Knoblauchkröte (Rana arvalis) und Ringelnatter (Natrix natrix).

Die bestandsbedrohten Fischarten sind: Döbel (Leuciscus cephalus), Schmerle (Neomacheilus barbatulus), Kaulbarsch (Gymnocephalus cernuus) und Moderlieschen (Leucaspius delineatus).

Eine Besonderheit sind die Vorkommen zweier gefährdeter Blattfußkrebse.

Von der mannigfaltigen Insektenfauna sind als besonders hervorhebenswert Käfer, Libellen und Schmetterlinge zu nennen.

Zustand des Gebietes und Erhaltungsmaßnahmen

Relativ  große Teile des Grünlandes sind trotz aktuell extensiver Nutzung artenarm.  Die verbliebenen artenreichen Auengrünlandfläche sind durch zunehmendes Brachfallen seit den 2000er Jahren stark gefährdet. Die Auenwaldflächen befinden sich in einem guten Zustand. Die Gewässerqualität hat sich seit den 90er Jahren enorm verbessert. Die ornithologische Bedeutung wird seit einigen Jahren durch Zunahme von Neozoen, z. B. Waschbär  beeinträchtigt. Das NSG hat als Bindeglied  zu den sich anschließenden wertvollen Lebensräumen landesweite Bedeutung. Das NSG liegt im EU SPA "Saale-Elster-Aue südlich Halle" und im FFH-Gebiet "Saale-, Elster-, Luppe-Aue zwischen  Merseburg und Halle".

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