Rogätzer Hang - Ohremündung

Größe: 261,00 ha   
Landkreis: Börde   
Codierung: NSG0015___   
Verordnung:  VO v. 26.10.1998 (Amtsbl. f. d. Reg.-Bez. Magdeburg. - 7(1998)11 v. 16.11.1998), erneute Veröffentlichung mit geringfügigen Änderungen VO v. 29.03.1999 (Amtsbl. f. d. Reg.-Bez. Magdeburg. - 8(1999)4 v. 15.04.1999) 
Karte - © LVermGeo LSA Gen.-Nr.: 10008 (www.lvermgeo.sachsen-anhalt.de)

Schutzziel

Rogätzer Hang - Ohremündung

Schutz und Erhaltung eines charakteristischen Gesamtausschnittes der Ohre-Elbe-Aue mit naturnahen Waldgesellschaften und angrenzenden wiesenartigen Ersatzgesellschaften; Sicherung eines bedeutenden Feuchtgebietes; Schutz des Hangquellmoores. 

Lage

Das NSG (40-71 m ü. NN) befindet sich unmittelbar südlich von Rogätz an Elbe und Ohre.

Beschreibung des Geländes

Das NSG umfaßt einen großen Ausschnitt der Ohreaue im Mündungsbereich zur Elbe. Der ca. 30 m hohe Steilhang nördlich der Ohre ist durch die Schmelzwässer des Elbeurstromtales entstanden, die sich in eine aus Geschiebemergel aufgebaute Grundmoränenfläche des Warthestadials der Saalevereisung eingeschnitten haben. Unterhalb des Hanges schließt sich ein schmaler Streifen weitgehend ungestörter Aue mit einem Hangquellmoor an, dessen Torfmächtigkeit mehr als 4,7 m beträgt.

Vegetation

Den Ohremündungsbereich beherrschen ausgedehnte Weichholzauen (Salicetum albae, Salicetum triandrae) mit Silber-, Bruch-, Korb- und Mandelweide . Mehrere langgestreckte Inseln im Mündungsgebiet weisen Weichhölzer und vegetationsfreie Schlammflächen auf. In den Uferstauden-Fluren kommen Langblättriger Blauweiderich (Pseudolysimachium longifolium) und Schwanenblume(Butomus umbellatus) vor.
Auf den Grünländern der Ohreaue dominieren Fuchsschwanz-Wiesen (Galio molluginis-Alopecuretum pratensis) und Silgen-Rasenschmielen-Wiesen (Sanguisorbo officinalis-Silaetum silai) mit Kantigem Lauch (Allium angulosum) als kontinentale Stromtalpflanze.
In Flutrinnen und an Altwässern siedeln Wasser-Schwaden-Röhricht (Glycerietum maximae), Schlankseggen-Ried (Caricetum gracilis), Uferseggen-Ried (Caricetum ripariae), Rohrglanzgras-Röhricht (Phalaridetum arundinaceae), Kalmus-Röhricht (Acoretum calami) sowie die Knickfuchsschwanz-Gesellschaft (Ranunculo repentis-Alopecuretum geniculati).

Großflächige durchweidete, halboffene Weichholz- und kleinflächige Hartholzauenwälder beiderseits der Ohre bestimmen den östlichen Teil des Gebietes. Während die Weichholzauen (Salicetum albae), aufgebaut aus alten Bruch-Weiden (Salix fragilis), kraut- und straucharm sind, existieren die Hartholzauen (Querco-Ulmetum minoris) z. T. nur in Form einer dornstrauchreichen Ersatzgesellschaft (Crataego-Prunetum spinosae) mit wenigen alten Feld-Ulmen (Ulmus minor), Flatter-Ulmen (Ulmus laevis), Gewöhnlichen Eschen (Fraxinus excelsior), Holz-Äpfeln (Malus sylvestris) und Schwarz-Pappeln (Populus nigra).

Auf den südlichen Deichen siedeln u. a. Sandmagerrasen (Diantho deltoides-Armerietum elongatae) mit Gewöhnlicher Grasnelke (Armeria maritima) und Silber-Fingerkraut (Potentilla argentea).

Auf dem Steilhang stockt ein Hainbuchen-Ulmen-Hangwald (Carpino-Ulmetum minoris) und unterhalb des Hanges im Ostteil der Aue ein Eichen-UImen-Hartholzauenwald (Querco-Ulmetum minoris) mit Flatter-Ulme und Feld-Ahorn. Anmoorige und quellige Standorte werden von einem Traubenkirschen-Eschenwald (Pado-Fraxinetum) besiedelt.
Nur sehr kleinflächig ist ein Walzenseggen-Erlenbruch (Carici elongatae-Alnetum) vorhanden. Dieser Gebietsteil ist auf anmoorigen Auenstandorten durch Engelwurz-Kohldistel-Wiesen (Angelico sylvestris-Cirsietum oleracei) und auf frischen Mineralstandorten durch Fuchsschwanz-Wiesen (Galio molluginis-Alopecuretum pratensis) charakterisiert.

Auf waldfreien Hangteilen wachsen Quecken-Pionierrasen (Agropyretum repentis) und Glatthafer-Wiesen (Dauco carotae-Arrhenatheretum elatioris). Auch nitrophytische Staudengesellschaften sind kleinräumig zu finden, z. B.: Brennessel-Seiden-Zaunwinden-Saum (Cuscuto europaeae-Convolvuletum sepium), Wasserdost-Gesellschaft (Calystegio sepium-Eupatorietum cannabini), Waldziest-Springkraut-Saum (Stachyo sylvaticae-lmpatientetum nolitangere) und Schuppenkarden-Gesellschaft (Virgetum pilosae).

Fauna

Das Naturschutzgebiet weist gute Lebensbedingungen für den Elbebiber (Castor fiber albicus) auf. Weiterhin zeichnet sich das Gebiet durch seine reiche Vogelfauna aus. Beispiele für brütende Vogelarten zeigt die Übersicht.

Weißstorch (Ciconia ciconia) und Schwarzstorch(C. nigra) sind Nahrungsgäste. Enten (Anatidae)und Limikolen nutzen Teile der Ohreaue als Rast- und Durchzugsgebiet.


Brütende Vogelarten im NSG sind:

Brandgans(Tadorna tadorna)Knäckente(Anas querquedula)
Flußuferläufer(Tringa hypoleucus)Wiedehopf(Upupa epops)
Wacholderdrossel(Turdus pilaris)Sperbergrasmücke(Sylvia nisoria)
Beutelmeise(Remiz pendulinus) Schlagschwirl(Locustella fluviatilis)
Kleines Sumpfhuhn(Porzana parva) Löffelente (Anas clypeata)
Eisvogel(Alcedo atthis)

Das NSG weist ebenfalls eine reiche Libellenfauna auf. Im Bereich des Ohrelaufes soll die Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens) als typische Art genannt sein. Die Arten Südliche Binsenjungfer (Lestes barbarus) und Südliche Mosaikjungfer (Aeshna affinis) bevorzugen die temporären Stillgewässer des Mündungsbereiches.
In der krautigen Staudenflur und in Heckenbereichen wurde die Gestreifte Zartschrecke (Leptophyes albovittata) beobachtet.

Zustand des Gebietes und Erhaltungsmaßnahmen

Der Gebietszustand ist allgemein gut. Zukünftig sollten weitere zur Zeit noch intensiv genutzte Äcker als Sukzessionsflächen oder Extensivgrünland in das Schutzgebiet einbezogen werden. Durch eine Deichrückverlegung würden größere Flächen im Elbe-Ohre-Winkel wieder der Hochwasserdynamik unterliegen. Zu den wichtigen Erhaltungsmaßnahmen zählen sowohl das Vermeiden des Befahrens der Ohre und des Umbaus von Sommerdeichen als auch die Pflege der "Ziegelei-Wiesen" und der Feucht- und Magerrasen-Restflächen des südostexponierten Hanges. Die Vergrößerung auf 261 ha begründet sich durch die Grenzverlegung auf die Mittellinie des Elbelaufes; weiterhin wurde die unmittelbare Mündung der Ohre in das NSG einbezogen. Dort sind ca. 40 ha als Totalreservat der ungestörten natürlichen Entwicklung vorbehalten.
Das NSG liegt im EU SPA "Elbaue Jerichow" und ist als FFH-Gebiet "Elbaue südlich Rogätz mit Ohremündung" von der EU bestätigt.

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