Harslebener Berge und Steinholz

Größe: 250,58 ha   
Landkreis: Harz  
Codierung: NSG0062___   
Verordnung:  AO v. 11.09.1967 (GBl. d. DDR Teil II.-(1967)95 v. 19.10.1967, S.697) in der Fassung v. 01.01.1997 (GVBl. LSA.- 8(1997)1 v. 02.01.1997, S. 2 - Rechtsbereinigungsgesetz)    
Karte - © LVermGeo LSA Gen.-Nr.: 10008 (www.lvermgeo.sachsen-anhalt.de)
  

Schutzziel

Erhaltung der artenreichen Pflanzenwelt und Insektenfauna der Trocken- und Halbtrockenrasen sowie der Trockenwälder in der sonst intensiv genutzten Ackerlandschaft des Nordharzvorlandes. 

Lage

Das NSG liegt ca. 5 km nordwestlich von Quedlinburg. Es besteht aus einem Höhenzug, zu dem die Berge Steinholz, die Harslebener Berge (191 m ü. NN), die Hinterberge und der Große Thekenberg (205 m ü. NN) gehören.
Das NSG liegt im LSG "Harz und Vorländer".

Geologische Beschaffenheit

Der Untergrund des Gebietes ist aus Sandsteinen der Oberkreide aufgebaut. Entlang der Halberstädter Kreidemulde bildet dieser eine langgestreckte Schichtstufe, die sich in einzelne Kuppen und Runsen gliedert. Während die Nordhänge überwiegend flach verlaufen, sind die Südhänge steil.
Über Sandstein-Untergrund haben sich meist flachgründige Bergsand-Braunerden, über der teils mächtigen Löß-Auflage der Nordhänge tiefgründige Sand-Löß-Mischböden, entwickelt.

Vegetation

Naturnahe Restwälder treten im Steinholz auf. Tiefgründige Lößbraunerde ist mit Waldlabkraut-Traubeneichen-Hainbuchenwald (Galio sylvatici Carpinetum betuli) bewachsen. Diese Bestände wechseln auf Verwitterungsböden kleiner Kuppen in den bodensauren Färberginster (Birken-)Eichenwald (Genisto tinctoriae-Quercetum). Die südexponierte Oberhangkante ist stellenweise mit dem subkontinentalen Fingerkraut-Eichentrockenwald (Potentillo albae -Quercetum petraeae) bestockt. Neben naturnahen Laubwäldern sind auch Forste aus verschiedenen Nadelhölzern vorhanden.In den offenen Bereichen sind folgende Pflanzengesellschaften anzutreffen:

Trockenrasen:
•subkontinental beeinflusster Furchenschwingel-Fiederzwenken- Halbtrockenrasen (Festuco rupicolae-Brachypodietum pinnati) auf Lößstandorten;
•Roßschweiffedergras-Trockenrasen (Stipetum stenophyllae) stellenweise in Plateaulagen;
•die artenreiche, kontinental beeinflusste Gesellschaft der Walliserschwingel-Haarpfriemengras-Trockenrasen (Festuco valesiacae-stipetum capillatae) auf den oberen Südhängen mit schwachem Lößeinfluß;
•flechtenreiche Sandthymian-Blauschwingel-Trockenrasen (Thymo Festucetum cinereae) auf kleinen Kreidesandsteinfelspodesten an den Unterhängen.

Magerrasen:
•Mädesüß-Wiesenhafer-Magerrasen (Filipendulo vulgaris- Avenuletum pratensis) auf tiefgründigen Sand-Löß-Mischböden in Senken;
•lückige und artenarme Frühlingsspark-Silbergras-Sandmagerrasen (Spergulo morisonii Corynephoretum canescentis) auf reinen Kreidesandsteinrohböden an den südlichen Oberhängen.
•artenreiche Blauschwingel-Silbergras-Sandmagerrasen (Festuco cinereae-Corynephoretum canescentis) mit Silberscharte als bemerkenswerte Art;
•Sandmagerrasen des Schmalrispigen Straußgrases (Agrostietum vinealis) hangabwärts auf Böden mit zunehmendem Feinerdegehalt;
•artenreicher Grasnelken-Rauhblattschwingel-Sandmagerrasen (Armerio-Festucetum trachyphyllae).

Sandige Standorte werden auf Nordhängen von Ginster-Heidekrautheiden (Genisto pilosae-Callunetum) und auf Südhängen von Wolfsmilch- Heidekrautheiden (Euphorbio-Callunetum) besiedelt.
Im NSG sind mehrere kleine Ackerflächen vorhanden; eine ist als Feldflorenreservat eingerichtet.

Fauna

Zu den Brutvögeln der Harslebener Berge zählen unter anderem: Uhu (Bubo bubo), Baumfalke (Falco subbuteo), Rebhuhn (Perdix perdix), Sperber (Accipiter nisus), Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe), Neuntöter (Lanius collurio), Sperbergrasmücke (Sylvia nisoria), Pirol (Oriolus oriolus), Grauammer (Emberiza calandra). Charakteristische xerothermophile Tierarten sind Zauneidechse (Lacerta agilis) und Glattnatter (Coronella austriaca).Über 200 festgestellte Großschmetterlingsarten weisen auf die intensiven Untersuchungen der Wirbellosen-Fauna hin. Viele südlich verbreitete Insektenarten erreichen in diesem NSG ihre nördliche Verbreitungsgrenze in Mitteldeutschland.                                                           Bemerkenswert sind aber auch die Spornzikade Eurysa brunnea, der Steinläufer Lithobius calceratus, die Röhrenspinne Eresus niger und die Schnecken Chondrula tridens und Cecilioides cicula.

Zustand des Gebietes und Erhaltungsmaßnahmen

Nach beispielhaften Entbuschungen von 1982 bis 1992 mit Anwendung unterschiedlicher Verfahren der Offenlandpflege befindet sich das Gebiet wieder in einem guten Zustand. Zur Erhaltung der Trocken- und Halbtrockenrasen sind weiterhin Mahd, Beweidung und Entbuschung erforderlich.
Einige Kiefernforstbereiche sollten aufgelichtet werden. Die mit Laubbäumen aufgeforsteten Flächen sollen langfristig in naturnahe Waldgesellschaften überführt werden.
Überreste militärischer Bauten beeinträchtigen Gebietsteile.
17,24 ha sind als Totalreservat der ungestörten natürlichen Entwicklung vorbehalten.
Das NSG liegt im FFH-Gebiet "Harslebener Berge und Steinholz nordwestlich Quedlinburg".

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