Forst Bibra

Größe: 505,00 ha   
Landkreis: Burgenlandkreis   
Codierung: NSG0127___   
Verordnung:  VO v. 24.11.1994 (Amtsbl. f. d. Reg.-Bez. Halle. - 3(1994)19 v. 21.12.1994)
Karte - © LVermGeo LSA Gen.-Nr.: 10008 (www.lvermgeo.sachsen-anhalt.de)

Schutzziel

NSG "Forst Bibra"

Erhaltung mesophiler Laubwaldbestände und wertvoller Xerothermrasen mit zahlreichen seltenen und geschützten Pflanzenarten.

Lage

Das NSG (160 bis 288 m ü. NN) liegt im LSG "Unstrut-Triasland" südöstlich von Bad Bibra. Höchste Erhebung im Gebiet ist die Stockmann-Höhe (288,3 m ü. NN).

Geologische Beschaffenheit

Das NSG erfaßt große Teile des Bibra-Plößnitzer Stufenhanges, der von Unterem Muschelkalk gebildet wird. Am Rand der Hochfläche streichen sowohl der tiefere Mittlere Muschelkalk als auch Schaumkalkbänke aus.
Die Hänge weisen überwiegend eine westlich bis nördlich ausgerichtete Grundexposition auf, die jedoch durch mehrere Trockentäler (z. B. Hörnissental, Borntal) unterbrochen und erweitert wird.

Vegetation

Braunroter Sitter

Im NSG dominiert der Wald. Die ehemalige Nieder- und Mittelwaldwirtschaft ist noch zu erkennen.

In Abhängigleit von den Standortverhältnissen haben sich unterschiedliche Waldgesellschaften entwickelt:
Waldgersten-Buchenwald (Hordelymo-Fagetum) auf Schatthängen mit
◦Waldgerste (Hordelymus europaeus),
◦Einblütigem Perlgras (Melica uniflora) und
◦Sanikel (Sanicula europaea);

straucharmer Orchideen-Buchenwald (Carici-Fagetum) auf flachgründigen, skelettreichen Standorten mit
◦Bleichem Waldvöglein (Cephalanthera damasonium);

Waldlabkraut-Traubeneichen-Hainbuchenwald (Galio sylvatici-Carpinetum betuli) großflächig auf tiefgründigeren Standorten; eine Besonderheit stellen die Kopflinden (sogenannte Lichter) und knorrigen Eichenüberhälter als ehemalige Grenzmarkierung dar;

Hainbuchenwald (Carpinus betulus) in den Gründchen mit
◦Gewöhnlicher Esche (Fraxinus excelsior);

Elsbeeren-(Flaum-) Eichenwald (Ouercetum pubescenti-petraeae) mit vielen lichtliebenden Arten in der Krautschicht wie ◦Purpurblauer Steinsame (Buglossoides purpurocaerulea),
◦Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria),
◦Diptam (Dictamnus albus) und
◦Salomonssiegel (Polygonatum odoratum).


Schneeball-Hartriegel-Gebüsch (Viburno lantanae-Cornetum sanguinei) bauen die Waldmäntel und Weinbergsgebüsche auf.
Während auf lößbeeinflußten Standorten der Furchenschwingel-Fiederzwenken- Halbtrockenrasen (Festuco rupicolae-Brachypodietum pinnati) mit Sichel-Hasenohr (Bupleurum falcatum), Fransen-Enzian (Gentianella ciliata), Großem Windröschen (Anemone sylvestris) und Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria) charakteristisch ist, siedelt auf Kalkschotterhalden der graslilienreiche Faserschirm- Zwergseggen-Trockenrasen (Trinio-Caricetum humilis) mit Vorkommen von Edel-Gamander (Teucrium chamaedrys).
Trocken- und Halbtrockenrasen bilden mit den Gebüschen ein enges Mosaik. Diese Standorte zeichnen sich durch reiche Orchideenvorkommen aus, z.B. Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera), Große Händelwurz (Gymnadenia conopsea), Dreizähniges Knabenkraut (Orchis tridentata), Frauenschuh (Cypripedium calceolus), Herbst-Wendelorchis (Spiranthes spiralis), Braunrote Sitter (Epipactis atrorubens) und Grünliche Waldhyazinthe (Platanthera chlorantha).

Mesophiles Grünland hat sich auf feinerdereicheren Standorten entwickelt, weist aber eine zunehmende Verbuschungstendenz auf.
 Zum NSG gehören weiterhin mehrere Streuobstwiesen, magere und frische Wiesen Sowie Ackerflächen.

Die Pilz-Flora ist mit mehr als 200 Arten sehr vielfältig, hervorzuheben sind als Besonderheiten Violetter Schleierling (Cortinarius violaceus), Haar- und Klumpfuß-Schleierling.

Fauna

Das NSG weist eine reiche Avifauna auf. Am Biberbach brüten beispielsweise Eisvogel (Alcedo atthis) und Gebirgsstelze (Motacilla cinerea). Weitere Brutvogelarten sind u.a. Habicht (Accipiter gentilis), Wespenbussard (Pernis apivorus), Baumfalke (Falco subbuteo), Hohltaube (Columba oenas), Wendehals (Jynx torquilla), Heidelerche (Lullula arborea), Raubwürger (Lanius excubitor), Sperbergrasmücke (Sylvia nisoria), Kolkrabe (Corvus corax) sowie sechs Spechtarten.

Die Reptilien werden im Gebiet durch die Schlingnatter (Coronella austriaca) vertreten.
Der Forst Bibra ist Lebensraum vieler Insekten. Der Segelfalter (Iphiclides podalirius) hat hier die individuenreichsten Bestände der weiteren Umgebung. Hervorhebenswert sind auch Kleiner Eisvogel (Limenitis camilla), Trauermantel (Nymphalis antiopa), Berg-Zikade (Cicadetta montana), Erdbock (Dorcadion pedestre), Hirschkäfer (Lucanus cervus) und Langbeiniger Pillendreher.

Zustand des Gebietes und Erhaltungsmaßnahmen

Der gute Gebietszustand erfordert als wichtigste Aufgabe die Pflege des Niederwaldes.
Die begonnene Umwandlung des Nadelwaldes in naturnahen Laubwald soll fortgesetzt werden. Das NSG liegt im gleichnamigen FFH-Gebiet.

  • Facebook-Icon
  • YouTube-Icon
  • Twitter-Icon
Mitmachen: Logo herunterladen!Logo Weltoffen