Steckby-Lödderitzer Forst

Größe: 3820,00 ha  
Landkreis: Anhalt-Bitterfeld; Salzlandkreis  
Codierung: NSG0036___   
Verordnung:  VO v. 23.12.2003 (Amtsbl. d. LVwA S-A ; 1(2004)SDr. v 22.01.2004)   
Karte - © LVermGeo LSA Gen.-Nr.: 10008 (www.lvermgeo.sachsen-anhalt.de)

Schutzziel

Steckby-Lödderitzer-Forst

Erhaltung der spezifischen Arten- und Formenmannigfaltigkeit als Landschaftsmosaik mitteleuropäischer Stromtalauen mit angrenzenden Talsandterrassen. 

Lage

Das NSG (51 - 75 m ü. NN) beginnt unmittelbar nördlich von Aken. Es liegt beiderseits der Elbe und schließt den Mündungsbereich der Saale ein.
Es liegt im Biosphärenreservat und LSG "Mittlere Elbe".

Beschreibung des Geländes

Elbe und Saale bestimmen das Wasserregime des NSG. Obwohl die Elbe mittels Buhnen ausgebaut ist, bestehen relativ naturnahe Verhältnisse mit dem Wechsel von Hoch- und Niedrigwasser.
Im linkselbisch liegenden Lödderitzer Forst war der Hochwassereinfluss durch Eindeichungen seit dem 19 Jahrhundert stark eingeengt. 2017 erfolgte hier eine Deichrückverlegung im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes Mittlere Elbe, wodurch sich die Überflutungsaue wesentlich vergrößerte. Rechtselbisch dagegen sind zwischen Steutz und Tochheim nur Sommerdeiche angelegt, so daß Hochwässer die gesamte Aue überfluten können.

Den geologische Untergrund bilden Terrassenkörper, die links der Elbe mit Ausnahme kleiner Talsand-Inseln mit Lehm und Sand bedeckt sind, während rechtselbisch verbreitet Dünen aufgeweht sind. Im Nordosten sind saalekaltzeitliche Schmelzwassersande und Geschiebemergel abgelagert. Nördlich von Steckby tritt örtlich Rupelton zu Tage.

Vegetation

Der Hartholzauenwald (Querco-Ulmetum minoris) als vorherrschender Lebensraum tritt in unterschiedlichen Ausbildungen auf:

  • die wärmegetönte Ausbildung mit Blutrotem Hartriegel (Cornus sanguinea) und Feld-Ahorn (Acer campestre), in der Stromtalpflanzen wie beispielsweise Hallers Schaumkresse (Cardaminopsis halleri) kennzeichnend sind. Stark vertreten sind weiterhin

                                                  ◦ Wild-Apfel (Malus sylvestris),
                                                  ◦ Wildbirne (Pyrus pyraster) und
                                                  ◦ Vogel-Kirsche (Cerasus avium);

  • die nasse Ausbildung des Rohrglanzgrases (Phalaris arundinaceae),
  • die typische Ausbildung,
  • die Linden-Ausbildung,
  • die trockene Hainbuchen-Ausbildung,
  • die Ausbildung des Hohlen Lerchensporn (Corydalis cava).

Im Wechsel von Hoch- und Niedrigwasser können sich kurzlebige Uferfluren, einjährige Krautfluren und mehrjährige Staudenfluren ausbilden. Abschnittsweise findet man Flußröhrichte und Galeriewälder der Weichholzaue.
Weitere Waldgesellschaften des NSG sind Pfeifengras-Eichen-Wälder auf grundwasserbeeinflußten Bereichen, Erlen-Bruchwald sowie Kiefernforste.
Die Dünen auf den Hochflächen sind mit Sand-Trockenrasen und Magerrasen bewachsen. Zu ihnen gehören:

  • Silbergras-Pionierrasen,
  • Straußgras-Magerrasen (Agrostietum vinealis),
  • Ohrlöffel-Leimkraut-Trockenrasen (Armerio-Festucetum trachyphyllae) und
  • Heidenelken-Strandnelken-Rasen (Diantho deltoides-Armerietum elongatae).

Bemerkenswerte Trockenrasenpflanzen sind

  • Astlose Graslilie (Anthericum liliago),
  • Niederliegender Ehrenpreis (Veronica prostrata),
  • Sand-Silberscharte (Jurinea cyanoides),
  • Sand-Fingerkraut (Potentilla incana) und
  • Mauer-Felsenblümchen (Draba muralis).

Verschiedene Wiesengesellschaften bilden einen weiteren Lebensraum. Nennenswert sind

  • Fuchsschwanzwie
  • Quecken-Flutrasen,
  • wechselfeuchte Brenndolden-Silgen-Wiese (Sanguisorbo officinalis-Silaetum silai) und die
  • wechseltrockene Mädesüß-Hahnenfuß-Wiese (Filipendulo vulgaris-Ranunculetum polyanthemi).

Zu den zahlreichen gefährdeten Pflanzenarten gehören:

  • Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica),
  • Kleines Mädesüß (Filipendula vulgaris),
  • Vielblütiger Hahnenfuß (Ranunculus polyanthemos),
  • Echter Haarstrang (Peucedanum officinale),
  • Nordisches Labkraut (Galium boreale),
  • Färber-Scharte (Serratula tinctoria),
  • Sumpf-Brenndolde (Cnidium dubium),
  •  Wiesen-Silau (Silaum silaus),
  • Kümmel-Silge (Selinum carvifolia),
  • Sumpf-Platterbse (Lathyrus palustris) und
  • Weidenblättriger Alant (Inula salicina).

An Altwässern, Flutrinnen und Kolken siedeln Wasserpflanzengesellschaften, wie die

  • Kamm-Laichkraut-Gesellschaft (Potamogetonetum pectinati),
  • Nixkrautgesellschaft mit Kleinem Nixkraut (Najas minor),
  • Hornblatt-Gesellschaften,
  • Gesellschaft des Spiegelnden Laichkrauts (Potamogeton lucens) und
  • Tausendblatt-Teichrosen-Gesellschaft (Myriophyllo-Nupharetum luteae).

Vielwurzelige Teichlinse (Spirodela polyrhiza), Gewöhnlicher Schwimmfarn (Salvinia natans), Krebsschere (Stratiotes aloides) und Gewöhnlicher Wasserschlauch (Utricularia vulgaris) bilden verschiedene Wasserschwebergesellschaften.
Die Röhrichte der eutrophen Verlandungsreihe sind gut ausgebildet. In Gräben und Teichen der Hochfläche wurde Armleuchteralgen-Grundrasen nachgewiesen.

Fauna

Das Schutzgebiet ist nicht nur ein bedeutendes Rast- und Überwinterungsgebiet für ziehende Vogelarten, sondern bietet über 100 Brutvogelarten Lebensraum.
In den Auenwäldern brüten so seltene Arten wie Schwarzstorch (Ciconia nigra), Kranich (Grus grus) und Schreiadler (Aquila pomarina)

und im Röhrichtgürtel zum Beipiel die Große Rohrdommel (Botaurus stellaris).

Im Bereich der Elbe und der Altwässer findet der Elbebiber (Castor fiber albicus) geeignete Lebensräume, der Fischotter (Lutra lutra) tritt nur gelegentlich auf.
Von den Lurchen sind nennenswert:

  • Kamm- und Teichmolch (Triturus cristatus, T. vulgaris),
  • Rotbauchunke (Bombina bombina),
  • Laubfrosch (Hyla arborea) und
  • Seefrosch (Rana ridibunda).

Stellvertretend für die Fischfauna seien Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis), Bitterling (Rhodeus sericeus) und Groppe (cottus gobio) genannt. In Gräben und Teichen der Hochfläche lebt die Sumpfschildkröte (Emys orbicularis).

Der Steckby-Lödderitzer Forst weist eine interessante und artenreiche Insektenfauna auf, so wurden neben Bockkäfer- und Laufkäferarten auch etwa 150 Tagfalterarten nachgewiesen . Einige bemerkenswerte Arten sind
•im Bereich der Gewässer

                                 ◦ Asiatische Keiljungfer (Gomphus flavipes),
                                 ◦ Südliche Mosaikjungfer (Aeshna affinis) sowie
                                 ◦ Gestreifte Zartschrecke (Leptophyes albovittata);

•in den Auenwäldern

                                 ◦ Großer Eichenbock (Cerambyx cerdo) und
                                 ◦ Hirschkäfer (Lucanus cervus).

Zustand des Gebietes und Erhaltungsmaßnahmen

Das Gebiet befindet sich in einem guten Zustand.
Das Wasserregime im Gebiet sollte durch Unterbrechungen in den Sommerdeichen verbessert werden. 2017 wurde ein Großteil des Lödderitzer Forstes durch eine große Deichrückverlegung wieder Bestandteil der rezenten Überflutungsaue. Einer Verstärkung der Sohlenerosion der Elbe durch Ausbaumaßnahmen an Buhnen und Ufern muss entgegengewirkt werden, weil diese Eintiefung des Stromes langfristig das Auenökosystem gefährdet.
Im NSG liegen Totalreservatsflächen von insgesamt 710,00 ha (Kernzonen des Biosphärenreservates "Mittlere Elbe"), die der ungestörten natürlichen Entwicklung vorbehalten sind.
Eine Erweiterung ist durch die Vernetzung mit dem NSG "Diebziger Busch" vorgesehen.
Das NSG liegt teilweise im EU SPA "Mittlere Elbe einschließlich Steckby-Lödderitzer Forst" und FFH-Gebiet "Elbaue Steckby-Lödderitz".

  • Facebook-Icon
  • YouTube-Icon
  • Twitter-Icon
Mitmachen: Logo herunterladen!Logo Weltoffen