Auch im Jahr 2026 unterstützt das Land Sachsen-Anhalt Maßnahmen zum Erhalt bedeutender Kulturdenkmale. Aktuell bewilligt das Landesverwaltungsamt der Kirchengemeinde Wespen Fördermittel in Höhe von rund 100.000 Euro für die Sanierung der Schrotholzkirche im Ortsteil Wespen der Stadt Barby. Die Mittel dienen dem Witterungsschutz der Westfassade sowie der nachhaltigen Sicherung der historischen Bausubstanz.
Die Maßnahme ist Teil eines umfassenden denkmalpflegerischen Sanierungskonzeptes und umfasst unter anderem Zimmer-, Putz- und Gerüstarbeiten sowie begleitende Untersuchungen. Die zuwendungsfähigen Gesamtausgaben belaufen sich auf rund 199.800 Euro, die durch Eigenmittel der Kirchengemeinde sowie Drittmittel ergänzt werden.
Einzigartiges Zeugnis protestantischer Siedlungsgeschichte
Die Schrotholzkirche Wespen zählt zu den herausragenden kulturhistorischen Bauwerken Sachsen-Anhalts. Sie wurde in den späten 1680er Jahren von böhmischen Glaubensflüchtlingen (Exulanten) errichtet, die in der Region nach den religiösen Auseinandersetzungen des 17. Jahrhunderts eine neue Heimat fanden.
Mit ihrer Bauweise in sogenannter Schrotholztechnik, einer speziellen Blockbauweise aus behauenen Holzstämmen, dokumentiert die Kirche eine in Mitteleuropa verbreitete, heute jedoch seltene Bauform. Diese Tradition stammt ursprünglich aus Schlesien und anderen Regionen Osteuropas und wurde durch die Einwanderer nach Mitteldeutschland gebracht.
Die Wespener Kirche nimmt dabei eine besondere Stellung ein: Sie gilt als einzige schindelgedeckte Schrotholzkirche Deutschlands und ist damit ein außergewöhnliches Beispiel für traditionelle Holzarchitektur.
Bewegte Bau- und Nutzungsgeschichte
Das Kirchengebäude wurde auf einem rechteckigen Grundriss in massiver Holzblockbauweise errichtet und verfügt über einen charakteristischen Dachreiter als Turm.
Im Laufe ihrer Geschichte war die Kirche wiederholt von Schäden betroffen, unter anderem durch Hochwasser, bauliche Veränderungen und im 20. Jahrhundert durch Kriegsereignisse.
Insbesondere ein im 20. Jahrhundert aufgebrachter Zementputz führte zu erheblichen Feuchtigkeitsschäden am Holzgefüge. Erst umfangreiche Sanierungsmaßnahmen seit den 1990er Jahren konnten die Konstruktion wieder dauerhaft sichern und den ursprünglichen Charakter der Kirche weitgehend wiederherstellen.
Erhalt für kommende Generationen
Mit der jetzt bewilligten Förderung wird ein weiterer wichtiger Schritt zur langfristigen Sicherung dieses einzigartigen Denkmals umgesetzt. Die geplanten Maßnahmen konzentrieren sich gezielt auf besonders witterungsanfällige Bauteile und tragen dazu bei, Schäden durch Feuchtigkeit und Alterungsprozesse zu begrenzen.
„Mit der Unterstützung leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Erhalt eines außergewöhnlichen Zeugnis der Siedlungs- und Baugeschichte unseres Landes und stärken zugleich das Engagement der Kirchengemeinde für den Denkmalschutz“, so der zuständige Abteilungsleiter des Landesverwaltungsamtes, Michael Scheiner.
Das Land Sachsen-Anhalt fördert kontinuierlich Maßnahmen zur Erhaltung, Pflege und nachhaltigen Nutzung von Kulturdenkmalen. Ziel ist es, bedeutende historische Bauwerke als Teil des kulturellen Erbes zu sichern und für künftige Generationen erlebbar zu machen.

