Kalbescher Werder bei Vienau

Größe: 134,68 ha   
Landkreis: Altmarkkreis Salzwedel   
Codierung: NSG0046___   
Verordnung:  Beschl. BT Magdeburg v. 05.07.1978  
Karte - © LVermGeo LSA Gen.-Nr.: 10008 (www.lvermgeo.sachsen-anhalt.de)

Schutzziel

Kalbescher Werder bei Vienau

Schutz und Erhaltung sehr unterschiedlicher Standortausprägungen von extrem trockenen Binnendünen bis zu nassen Quellbereichen mit den charakteristischen Vegetationsausstattungen vom Kiefern-Dünenwald bis zum Bruchwald 

Lage und Beschreibung des Geländes

Der Kalbesche Werder bei Vienau (30-60 m ü. NN) liegt ca. 7 km nordwestlich von Bismark und unmittelbar westlich des Ortes Vienau.
Das NSG gehört zur Landschaftseinheit Kalbescher Werder, der sich zwischen Augraben und Milde befindet.
Eine Grundmoräne mit daran folgenden trockenen Sanderflächen sowie die teilweise vermoorte Talsandniederung der Unteren Milde sind die untergrundbildenden Elemente des Schutzgebietes.

Vegetation

Auf Dünen und steilen Erosionshügeln siedeln naturnahe Flechten-Kiefernwälder (Leucobryo-Pinetum). Beispielsweise sind die Flechten Cladonia mitis und C. sylvatica sowie vereinzelte Silbergrasfluren (Spergulo morisonii-Corynephoretum canescentis) anzutreffen.
Auf den Sanderflächen finden sich Drahtschmielen- bzw. Faulbaum-Kiefernforste und am Rand der Grundmoräne ein Landreitgras-Kiefernwald mit der Gewöhnlichen Kuhschelle (Pulsatilla vulgaris).

Für den Übergang von der Sanderfläche zur Niederung ist der Sternmieren-Hainbuchenwald (Stellario holosteae-Carpinetum betuli) mit der dominierenden Stiel-Eiche (Quercus robur) in der Baumschicht charakteristisch. Vielfach ist auch die Moor-Birke (Betula pubescens) anzutreffen. Typische Arten der Krautschicht sind Deutsches Geißblatt (Lonicera periclymenum), Vielblütige Weißwurz (Polygonatum multiflorum), Zweiblättrige Schattenblume (Maianthemum bifolium) und Goldnessel (Galeobdolon luteum).


Große Teile der Niederung werden bei niedrigerem Nährstoffangebot vom Erlen-Eschenwald eingenommen. An den in diesem Bereich befindlichen Quellaustritten wächst die Gewöhnliche Brunnenkresse (Nasturtium officinale).
Bei höherem Nährstoffangebot dagegen stockt der Traubenkirschen-Eschenwald (Pado-Fraxinetum). In dessen Krautschicht sind Echte Nelkenwurz (Geum urbanum), Sumpf-Pippau (Crepis paludosa) und Gefleckte Kuckucksblume (Dactylorhiza maculata) anzutreffen.


Auf stark vernäßten Standorten tritt ein Erlen-Moorbirken-Bruchwald (Sphagno-Alnetum glutinosae) auf, in dem Sumpf-Haarstrang (Peucedanum palustre), Sumpffarn (Thelypteris palustris), Sumpf-Schlangenwurz (Calla palustris) und Sumpf-Fingerkraut (Potentilla palustris) die Krautschicht bestimmen.

 

 

Fauna

Das NSG zeichnet sich durch eine artenreiche Tierwelt aus. So haben u. a. folgende Säugetierarten ihren Lebensraum in diesem Gebiet: Hermelin (Mustela erminea), Mauswiesel (Mustela nivalis), Dachs (Meles meles), Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) und Kleine Bartfledermaus (Myotis mystacinus).

Vertreter der Avifauna sind: Waldschnepfe (Scolopax rusticola), Habicht (Accipiter gentilis), Rotmilan (Milvus milvus), Wespenbussard (Pernis apivorus), Mittelspecht (Dendrocopos medius), Ortolan (Emeriza ortulana) und Heidelerche (Lullula arborea).

Geeignete Lebensbedingungen finden auch die Lurche vor: Kamm- und Teichmolch (Triturus cristatus, T. vulgaris), Kreuzkröte (Bufo calamita) sowie Laubfrosch (Hyla arborea).

Bemerkenswert ist das Vorkommen der gefährdeten Libellenarten Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens), Glänzende Binsenjungfer (Lestes dryas), Vogel-Azurjungfer (Coenagrion ornatum) und Gebänderte Heidelibelle (Sympetrum pedemontanum) sowie seltener Netzflügler, z. B. der Ameisenjungfer (Myrmeleon formicarius).
Im Bereich der Quellaustritte lebt der Bachflohkrebs (Gammarus spec.) in großer Zahl.

Zustand des Gebietes und Erhaltungsmaßnahmen

Das Gebiet befindet sich in einem guten Zustand. Durch entsprechende Maßnahmen ist den Eutrophierungserscheinungen entgegenzuwirken. Eine weitere Maßnahme zur Sicherung des NSG sollte die Umwandlung von ausgewählten Kiefernforsten in naturnahe Waldgesellschaften sein.
Das NSG schließt ein 16,70 ha großes Totalreservat ein.
Der Kalbesche Werder bei Vienau ist als FFH-Gebiet von der EU bestätigt.

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